Strom Tipps Milchvieh

Strombedarf Milchkuh

Zusammensetzung des jährlichen Strombedarfs für eine Milchkuh

Milchgewinnung

Bei milchviehhaltenden Betrieben geht man von einem Stromverbrauch von etwa 400 kWh pro Kuh und Jahr aus. Neuere Untersuchungen beziehen den Stromverbrauch auf die Milchmenge (5 kWh/100 l).

Reinigung

Melkanlagen mit Zirkulationsreinigung (Durchlauferhitzer) verursachen gegenüber Kochendwasserreinigungsanlagen hohe elektrische Leistungsspitzen (kW). Beachten Sie daher:

  • die Reinigungsanlage möglichst zeitschaltuhrgesteuert außerhalb der Kühlzeiten einsetzen
  • Reinigungsautomaten mit Durchlauferhitzer auf die anlagenspezifischen Erfordernisse ausrichten (nicht zu groß planen)
  • die Kochendwasserreinigung stellt für viele Melkanlagen eine leistungssparende Alternative dar
  • warmes Wasser aus der Wärmerückgewinnung der Milchkühlung nutzen

Kühlung

Unter optimalen Bedingungen sind für die Kühlung von 100 l Milch rund 2,5 kWh erforderlich. Vermeiden Sie einen höheren spezifischen Energiebedarf durch:

  • bedarfsgerechte Auslegung der Lagerkapazität
  • korrekte Auslegung des Kälteaggregats auf die Milchlagertankgröße
  • bauliche Trennung von Milchlagerraum und Kühlkompressorstandort (Milchlagerraum nicht beheizen)
  • Platzierung des Lagertanks in kühlen Gebäudeteilen (Nordseite)

Kühlanlagen mit Direktverdampfer haben einen etwas höheren elektrischen Leistungsbedarf als eine Eiswasserkühlung. Ihr spezifische Energiebedarf (kWh/Liter) ist aber um etwa 20% geringer. Eiswasserkühlungen ermöglichen dagegen die Ausnutzung von günstigen Nachtstromtarifen. Auch eine regelmäßige Wartung der Anlagen verhindert unnötigen Stromverbrauch. Das bedeutet:

  • regelmäßige Kontrolle der Kühlflüssigkeit
  • regelmäßiges Reinigen des Kühlers der Kompressoreinheit

Erstes Kriterium bei der Auswahl und Auslegung der Kühlanlage sind Produktionssicherheit und -qualität, aber:

  • Saisonale Abkalbungen führen zwangsläufig zu stark schwankenden Milchmengen im Jahresverlauf. Unter Umständen eignet sich ein zusätzlicher Lagertank besser für diesen zeitweiligen Spitzenbedarf. Ein entsprechend größerer Tank würde die überwiegende Zeit des Jahres nicht optimal genutzt
  • Bei "Vier-Gemelks-Wannen" sollten u. U. die Kühlkreisläufe in zwei Ebenen aufgeteilt werden (energiesparende Technik)
  • Ein Vorkühler für die Milch spart elektrische Energie (kWh), reduziert aber nicht die Leistung (kW). Außerdem steht weniger Wärme für die Wärmerückgewinnung zur Verfügung
Moderner Melkstand

Moderner Melkstand, Bild: Westfalia

Rauhfutter

Die Rauhfutterbereitung kann große elektrische Leistungen erfordern, sofern Heu getrocknet oder Rauhfutter in Hochsiloanlagen eingelagert wird. Daher sollten Sie zur Senkung der Stromkosten:

Rauhfutter
  • möglichst mechanische Fördergeräte nutzen (pneumatische Systeme haben einen wesentlich höheren spezifischen Stromverbrauch)
  • Feldtrocknung zur Heuernte ausnutzen
  • möglichst lockere Einlagerung des Heus und geringe Lagerhöhen für Belüftungstrocknung nutzen
  • Förderantriebe nicht zeitgleich mit anderen großen Aggregaten (Durchlauferhitzer, Güllepumpe, Schrotmühle) betreiben

Leistungsfutter

Der Stromverbrauch computergesteuerter Fütterungsanlagen wird häufig unterschätzt. Pro 100 W elektrischem Leistungsbedarf des Fütterungscomputers werden bei 24stündiger Laufzeit fast 880 kWh Strom pro Jahr verbraucht. Allerdings werden die dadurch verursachten Kosten durch gesteigerter Milchleistung und verbesserter Tiergesundheit bei weitem aufgewogen.

Leistungsfutter

Kraftfutterstation, Bild: Lemmer-Follwood